Fachgebiet Stadtsoziologie
Prof. Dr. Annette Spellerberg

Die Breitbandversorgung ist zu einem zentralen Faktor für regionale Arbeitsmärkte, neue Dienstleistungen, mehr Komfort und Vielfalt bei der Nutzung von Medieninhalten ebenso wie für den Zugang zu diesen Informationen geworden. Die Bedeutung des Internets für die Stabilisierung der Bevölkerung in ländlichen Räumen, die im letzten Jahrzehnt häufig durch Abwanderung und Alterung gekennzeichnet waren, ist unbestritten, aber noch existieren deutliche Unterschiede beim Zugang zum leistungsstarken Internet. Vor allem ländliche Räume sind beim privatwirtschaftlich organisierten Ausbau bislang unterversorgt (Topographie, Distanzen, Anschlussraten). Die Breitbandstrategien der Bundesregierung und verschiedener Länder versuchen durch finanzielle Förderungen und Beratungsleistungen Abhilfe zu schaffen, doch der Grad der Versorgung hängt neben den Kosten und technischen Fragen auch von den Anstrengungen der Akteure vor Ort ab.

In der Informations- und Wissensgesellschaft entscheidet nicht nur die physische Erreichbarkeit, sondern auch der Zugang zum leistungsfähigen Internet, inwieweit Peripherisierung, also ein Abhängen von gesellschaftlichen Prozessen, beobachtet wird. Der ökonomische und demographische Wandel führt in der Regel zu einer Stärkung von Städten (Einwanderung, Arbeitsplatzansiedlung, Infrastrukturen, kulturelle Dichte), so dass sich die Frage stellt, ob eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur Nachteile abgelegener Räume ausgleichen kann. Die ubiquitäre Verfügung des Internets birgt theoretisch die Möglichkeit zur Loslösung von konkreten Räumen (flexibleres Arbeiten, globale Kontakte, Teilhabe an kulturellen Events), bisher hat das Internet jedoch eher, regionale und soziale Ungleichheiten verstärkt, indem sich wissensbasierte Ökonomien beispielsweise eher in Städten als auf dem Land ansiedeln.

Ländliche und verdichtete Räume sind demnach von den Digitalisierungsprozessen in unterschiedlicher Form betroffen. Ziel der AG ist es, in transdisziplinärer Weise und in verschiedenen Handlungsfeldern aktuelle Entwicklungen im LAG-Gebiet aufzuzeigen, ihre Wirkungen perspektivisch abzuschätzen und auf konkrete Planungserfordernisse hin zu überprüfen.

Folgende Fragen sollen beantwortet werden:

  • Welche Bedeutung kommt der Digitalisierung für die Mobilität und Wohnstandortentscheidungen zu?
  • Welche Konsequenzen für die Mobilität ergeben sich aus Netzwerken und neuen Mobilitätsformen (Mitreiseportale; Apps) in den verschiedenen Siedlungsräumen?
  • Welche Folgen für den Arbeitsmarkt sind im LAG-Gebiet abschätzbar?
  • In welcher Form können Dienstleistungen insb. im Bereich der Daseinsvorsorge ersetzt bzw. modifiziert werden?
  • Von welchen guten Beispielen (aus anderen LAGs und internationale) für Innovationen im Bereich Digitalisierung können wir lernen?
  • Welche Aufgaben kommen auf die planenden Akteure zu und sind sie ihnen gewachsen?
  • Reichen die planerischen Instrumente und die Kompetenzen von Planern und Planerinnen, um die Entwicklungen zu verstehen, zu begleiten und zu steuern?
  • Welche neuen Akteurskonstellationen entstehen, um die räumliche Entwicklung zu steuern?
  • Welche neuen Einrichtungen müssen auf welcher räumlichen Ebene geschaffen werden, um Informationen zu bündeln und zu streuen, ethische und datenschutzrechtliche Fragen zu klären, Partizipationsprozesse vorzubereiten oder Schulungen zu organisieren?
  • Welche Herausforderungen stellen sich spezifisch in ländlichen Regionen, welche Vorteile und welche Risiken beinhaltet die Digitalisierung für ländliche Räume?
  • In wieweit tragen unzureichende oder fehlende technische Infrastrukturen zur Auseinanderentwicklung von Regionen im LAG-Gebiet bei?

Ziele und geplante Ergebnisse

Outputorientiert wird – in Abstimmung mit den Mitgliedern der AG – ein gemeinsamer Sachstandsbericht sowie ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen für die verschiedenen lokalen und regionalen Akteure angestrebt. Die AG-Mitglieder sollen ihre persönlichen Schwerpunkte in den Artikeln bearbeiten können, wobei gleichzeitig gemeinsame Überlegungen und damit gemeinsame Artikel angestrebt werden, um den Austausch in den AG-Sitzungen auch in Schriftform zu dokumentieren.

 

 

 

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) versteht sich als ein interdisziplinäres Forum für Wissenschaft und Praxis, in dem raum- und planungsbezogenes Wissen im Dialog generiert, reflektiert und vermittelt wird. Sie erforscht Räume als Bedingung und Ausdruck gesellschaftlicher Praxis. Organisiert ist die ARL als Netzwerk von Fachleuten für Fragen der Raumentwicklung.

 

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