Fachgebiet Stadtsoziologie
Prof. Dr. Annette Spellerberg

Veranstaltungen wie „Public Viewing“, Stadtfeste oder Konzerte sind regelmäßiger Bestandteil des urbanen Lebens. Für die notwendigen Sicherheitskonzepte zur Verhinderung von Unglücken fehlen Veranstaltern und Sicherheitskräften jedoch bisher wissenschaftlich fundierte und praxisgerechte Planungshilfen.

Das Lehrgebiet Stadtsoziologie (Prof. Spellerberg) und die Arbeitsgruppe Mathematische Optimierung (Prof. Hamacher) von der TU Kaiserslautern arbeiten in den nächsten drei Jahren zusammen mit Expertinnen und Experten der Unternehmen VDS Veranstaltung Dienstleistung Sicherheit und IMS Informations- und Managementsysteme sowie der Hochschule München, der Technischen Universität München und der Universität Koblenz im Projekt „MultiKOSi“ an Unterstützungssystemen für die Planung und Durchführung von städtischen Großveranstaltungen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit II“ mit 3,3 Millionen Euro.

Das Projektteam bündelt seine Kompetenzen aus den Bereichen Veranstaltungssicherheit, Mathematik, Informatik, Soziologie und Bauingenieurwesen, um ein besseres Verständnis der Abläufe bei städtischen Großveranstaltungen zu erarbeiten, neue Modelle von Besucherströmen zu erforschen und diese miteinander zu verknüpfen. Daraus soll ein Instrument zur Planungsunterstützung und Optimierung von Sicherheitskonzepten für Veranstaltungen abgeleitet werden. Die Wechselwirkungen von Kriterien wie Sicherheit, Offenheit und Wirtschaftlichkeit stehen im Mittelpunkt der Optimierung. Mit dem umfassenden und interdisziplinären Ansatz sollen neue Methoden zur Planung von Veranstaltungen entstehen, die einen reibungslosen Ablauf mit einer hohen Besucherzufriedenheit ermöglichen. Aus den wissenschaftlichen Ergebnissen können später neue Softwareinstrumente zur Veranstaltungsplanung entwickelt werden.

Die Mathematische Optimierung wird im Rahmen von MultiKOSi die bei allen urbanen Events auftretenden Fragen nach dem besten Standort zur Durchführung eines urbanen Events, der Platzierung und Anordnung (Layout) von Sicherheits- und funktionaler Anlagen innerhalb des Veranstaltungsortes und deren Auswirkungen auf Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Besucherfreundlichkeit durch die Erstellung mathematischer Modelle beantworten. Von der Stadtsoziologie werden Wahrnehmungen, soziales Handeln und Einstellungen während verschiedener Phasen eines Events empirisch untersucht, mit Hilfe von mit standardisierten und nicht-standardisierten Interviews, Messung von Stressempfinden sowie Analysen der Gruppen- und Organisationsstrukturen. Die Erkenntnisse werden in die entsprechenden Personenstrommodelle der Mathematik und Simulation einfließen. Sicherheit und der Aspekt des positiven Erlebnisses eines öffentlichen Events werden in den Mittelpunkt gestellt. Ziel ist es, Eventveranstalter, Sicherheitsdienste, Polizei und Feuerwehr bei der Planung und Durchführung von Großveranstaltungen sowie der Etablierung von Ausbildungs- und Schulungsmaterial zu unterstützen. Der Anteil der TU Kaiserslautern am Vorhaben liegt bei 870.000 Euro. Den insgesamt drei wissenschaftlichen Projektmitarbeitern wird die Möglichkeit zur Promotion gegeben.

 Bearbeitung:

Mehr Infos: